Marvel's Avengers: Hinter den Kulissen - Troy Baker / Bruce Banner

Wie fand der Schauspieler eine frische Herangehensweise an eine so bewährte Figur wie Bruce Banner? Und wie war es, mit der Echtwelt-Version von Kamala zusammenzuarbeiten?
Von Square Enix Team
Schlagwörter: Marvel’s Avengers

Troy Baker ist ein allseits respektierter Darsteller. Er ist ein Meister des Motion Capturings, ein Weltklasse-Synchronsprecher und - wie seine Avengers-Kollegin Sandra Saad alias Ms. Marvel zuvor betonte - mit perfekten Haaren ausgestattet.

In Marvel's Avengers spielt Baker die Rolle von Bruce Banner - Wissenschaftler, Held und widerwilliger Mentor von Kamala Khan. Seine Herangehensweise an den Charakter ist eigenständig und denkwürdig, und so wollten wir hinter seine Stirn blicken, um herauszufinden, wie er in diesen bekannten und dennoch frischen lila Hosen landete.

How did you react when you were asked to be in Marvel’s Avengers?


My first response was that I assumed I was going to play Hawkeye, because of what I did previously for the Avengers: Earth’s Mightiest Heroes animated series. But Creative Director, Shaun Escayg, was like, “no - you’re not going to play Hawkeye”.

I assumed Loki then - I’ve played him in shows like Avengers Assemble. And Shaun was like “no - you’re not going to play Loki.”

So I basically said: “I think you have the wrong number - I can basically do one of those two!" And he replied: “I want you to play Banner!”.

I went: “Yeah, you’ve definitely got the wrong guy.”

Wie? Wolltest du die Rolle nicht?


Ich wollte wirklich nicht der Hulk sein. Ich kenne Leute, die Hulk gespielt haben, und die verlassen eine Aufnahmesession mit einem (imitiert ein heiseres Flüstern) "Wir sehen uns in zwei Wochen". Ich wollte meine Stimme nicht ruinieren.

Aber Shaun meinte, dass auch er nicht wolle, dass ich Hulk spiele - er wollte, dass ich Banner spiele. Und da wurde mir dann klar, dass ich wohl nicht ganz verstanden hatte, worum es bei diesem Job geht.

Also machte Shaun mir klar: "Schau mal, es gibt keine Möglichkeit, an das, was die Filme gemacht haben, heranzukommen oder es zu wiederholen, und wir werden auch nicht diese Versionen der Charaktere versuchen. Wir wollen etwas komplett anderes machen. Wenn du also dabei bist, dann will ich dir zeigen, dass Banner im Herzen dieser Geschichte steht."

Und die coole Sache: Er erklärte mir, dass das Spiel sich in Wirklichkeit um Kamala Khan drehen wird. Und ich meinte nur, okay, ich bin dabei. Egal, wie das wird, ich bin dabei.

Im weiteren Verlauf kam's mir vor, als legten wir ständig Ebene um Ebene davon frei, was diese Erfahrung sein soll, was die Story erzählen will und was dieses Spiel wirklich ist, das wir da zu machen versuchen. Ich war konstant überrascht und beeindruckt.

Die Persönlichkeit von Bruce Banner hat ja bekanntlich zwei sehr verschiedene Seiten. Musstest du das in deiner Darstellung rundum vermitteln?


Tatsächlich behandelten wir diese Charaktere wirklich als zwei getrennte Leute. So wie ich nicht Thor bin, bin ich auch nicht Hulk - ich muss mir keine Gedanken darüber machen. Jemand anders wuchtet die schweren Dinge und ich kann mich vollkommen auf Banner konzentrieren.

Für mich lautete die Frage: Wer ist Banner in dieser Geschichte? Vergiss die Filme. Vergiss die Comics. Ich werde nicht in Bill Bixbys Fahrwasser plätschern. Es muss eine einzigartige Version dieses Charakters geben. Wie sieht die aus?

Und wie hast du die Antwort gefunden?


Ich glaube, allgemein gesprochen, dass viele Leute versuchen, einen Charakter von außen nach innen zu erschaffen. Man fragt sich Dinge wie: Wie klingt er? Humpelt er? Aber nichts davon sagt einem, wer der Charakter ist - ich kann nicht diese Person werden, wenn ich nicht ihr Inneres verstehe.

Deshalb begann der Prozess, Banner zu werden, für mich mit einer Menge Gespräche. Shaun und ich verbrachten viel Zeit am Telefon und abseits der Bühne und diskutierten den Charakter ausführlich. Ich liebe Streitgespräche - man findet die Wahrheit, wenn man nach ihr gräbt. Das ist fast wie bei Trüffeln, man muss sich durch einen Haufen Dreck wühlen, um sie zu finden.

Und so stößt man wirklich auf den Charakter und findet zu dessen Darstellung. Mickey Rourke soll mal gesagt haben: "Die Dialoge sind das Letzte, um das ich mir Gedanken mache, denn wenn sie gut geschrieben sind und ich den Charakter verstehe, dann sollten sie einfach aus meinem Mund fallen." Und dem stimme ich zu - ich habe noch nie einen Satz eines Charakters vergessen, den ich komplett verstanden habe.

Es muss aber doch auch ein paar Herausforderungen geben - Banner ist beispielsweise ziemlich zugeknöpft.


Ja, und eine der größten Herausforderungen war auch, seine Frustration zu zeigen. Es gibt eine Menge Szenen, in denen es um viel geht. Da ist Drama und Spannung - besonders zwischen Banner und Iron Man. Wenn ich laut wurde und begann, mit den Armen zu rudern, dann stoppte mich Shaun und meinte: "Zu wütend, Mann - wenn du so wütend wirst, dann verändern deine Pupillen ihre Farbe."

Er wollte, dass ich mir nicht anmerken lasse, wenn mich etwas betraf. Also gab es eine wunderbare Balance zwischen einem Zen-mäßigen Zustand und nicht komplett unberührt und emotionslos zu sein.

Und das war interessant, denn sowas musste ich vorher nie tun. Normalerweise habe ich eine ganze Bandbreite von Emotionen, mit denen ich spielen kann, aber für diese Rolle musste ich ständig auf der Rasierklinge reiten.

Half es, dass du in diesen Szenen zusammen mit einem Freund wie Nolan North spieltest?


Ja, Shaun und Marvel Games haben wirklich eine Hammer-Riege zusammengestellt. Es gab hier wirklich keinen Einzigen, der nicht aufs Ganze ging.

Ich kenne Nolan so gut, dass ich weiß, wo er in einer Szene hinwill. Fähig zu sein, so etwas zu antizipieren, sorgt für Vertrauen. Und man braucht eine Menge Vertrauen, um sicherzustellen, dass es sich so anfühlt, dass zwei Leute eine echte Konversation, einen echten Moment haben.

Wenn ich beschloss, loszulegen und Dinge auszuprobieren, dann musste - egal wer mein Partner in dieser Szene war - ich das Vertrauen haben, dass er mit mir zusammen loslegte. Das Schöne an dieser Darstellerriege ist, dass der Weg zu diesem Vertrauen sehr kurz ist - ich kenne Nolan North (Iron Man), ich kenne Travis Willingham (Thor) und ich kenne Laura Bailey (Black Widow).

Es gibt da aber auch ein paar neue Leute…


Ja, wie du schon meintest, ich kannte Sandra Saad (Kamala Khan) und auch Jeff Schine (Captain America) nicht. Wie erreichen wir also diesen Grad der Vertrautheit? Nun, für Sandra passt das ganz natürlich, denn so wie Kamala ist sie ja die Neue. Aber Captain America ist unser Teamkamerad und Freund, da muss sich das also schon ein bisschen anders anfühlen.

Um ehrlich zu sein, ich kann Jeff Schine gar nicht genug preisen. Der Kerl kam rein und brachte es einfach auf den Punkt.

Die Bühne, auf der wir spielten, ist sowas wie mein Revier. Hier machten wir die Aufnahmen für Uncharted 4, für The Last of Us und Mittelerde: Schatten des Krieges. Ich mein, ich sollte da eigentlich meinen eigenen Parkplatz haben (lacht)!

Und als Jeff und Sandra auftauchten und selbst wenn sie einfach nur mit uns abhingen, war das wirklich großartig.

Wir haben vor ein paar Tagen mit Sandra gesprochen - sei meinte, du hättest so viel Geschichten und Weisheit parat.


(lacht) Nun, Sandra hört nie auf, Fragen zu stellen. Nie.

Beim Mittagessen nahm ihr Hirn mehr auf als ihr Körper. Dauernd fragte sie: Was bewirkt das? Was bedeutet das? Sie hat sich wirklich in den ganzen Prozess hineingeworfen.

Sie wollte so viel lernen, wie sie konnte, und sie erkannte die Tatsache an, dass dies der Startpunkt für viele Leute wäre, den Charakter von Kamala Khan kennenzulernen - das Spiel ist wirklich ihre Geschichte, sie ist die Sonne, um die wir uns drehen.

Kamala ist ein relativ neuer Charakter, also konnte Sandra ein Kevin Conroy, ein Mark Hamill werden - die Stimme, die die Menschen mit diesem Charakter verbinden. Ich glaube, das hat sie auch erkannt, aber sie hat sich nicht damit belastet. Sie hat einfach ihren Charakter gespielt.

Und so gab es Zeiten während der Mittagspause, als sie zu mir kam und meinte: "Kann ich dich was fragen? Was liest du da?" Und ich meinte, "ähm, Marc Aurel", und sie sagte: "Warum? Füttere mich, gib mir Informationen - ich will über alles lernen."

Ich erzähl dir was über Sandra: Sie wird nie die Person sein, die sagt "ich bin in meinem Trailer". Sie will am Set sein, und wenn du noch eine Aufnahme machen willst, dann wird sie das mit dir tun. Sie nahm immer Notiz, ist nie wegen ihrer eigenen Leistung durchgedreht…

Sie ist eine eindrucksvolle Macht, und ich konnte dabei zusehen, wie sie von Aufnahme zu Aufnahme besser wird. Beeindruckend.

Sie merkte an, wie gut du beim Motion Capturing warst - was ist dein Geheimnis?


Schau mal, was wir machen, ist seltsam. Zunächst einmal sind wir professionelle Lügner (lacht).

Motion Capturing ist besonders seltsam - man trägt diesen Anzug, setzt diesen Helm auf, mit einer Kamera, die 15 Zentimeter vor deinem Gesicht hängt… Und übrigens - alle anderen tragen genau dasselbe lächerliche Kostüm.

Und dann bist du ja auch gar nicht wirklich an einem Set, du interagierst nicht wirklich mit Requisiten. Für viele Leute ist das ziemlich schwer. Aber für jemand wie mich beschreibt das praktisch meine Kindheit.

Da wurde das Handtuch zum Cape und Socken oder Unterwäsche wurden die Maske. Als ich aufwuchs, hatte ich nicht viele coole Kinderspielsachen. Ich hatte kaputte Actionfiguren und was ich sonst noch zum Spielen finden konnte.

Für mich ist diese Karriere nur eine Erweiterung dessen, was ich als Kind gemacht habe, und ich habe einen Weg gefunden, damit als Erwachsener Geld zu verdienen.

Du willst also sagen, dass der Motion-Capturing-Anzug letztlich so was ist wie dein persönliches Superheldenkostüm?


Irgendwie schon. Wenn auch meine wahre Supermacht das wundervolle Team von Animatoren hinter mir ist.

Aber ja, das ist ein Teil von dem, was mich zu jemand anderem macht, und das ist auch Banners Rolle in dieser Geschichte. Er muss seinen Frieden damit machen, wer er werden wird - und wenn das keine nachhallende und relevante Botschaft unserer heutigen Kultur ist, dann weiß ich auch nicht.

Es gibt Jahrzehnte-alte Diskussionen darüber, sich und andere so zu akzeptieren, wie sie sind. Und ich finde es sehr fesselnd, dass das im Zentrum von Bruces Ringen steht.

Hast du zum Schluss eine Botschaft für die Leute, die gerade mit dem Spiel starten?


Nun, es ist bekannt, dass Crystal Dynamics weiß, wie man tolle Spiele macht. Aber es war mir schon sehr früh klar, dass dies hier das ambitionierteste Spiel werden würde, das sie je gemacht haben.

Und natürlich einer der ambitioniertesten Titel, die in diesem Jahr erschienen sind. Ambitionierte Titel gab es 2020 sicher einige, aber ich erlebte einfach nur eine Überraschung nach der anderen. Ich kann's nicht erwarten, dass die Leute dieses Spiel spielen und diese Erfahrung selbst machen.


Marvel’s Avengers ist für PS4, Xbox One, Steam und Stadia erhältlich.

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