Pins mit Power - der Kampf in NEO: The World Ends with You

Die Macher des rasanten Action-Rollenspiels erläutern, wie sie das schnelle und flüssige Kampfsystem erschaffen haben - und welchen Herausforderungen sie sich dabei stellen mussten.
Von Duncan Heaney

NEO: The World Ends with You macht seine Spieler wirklich süchtig nach Pins.

Schließlich handelt es sich bei diesen Ansteckern um besondere Spielobjekte, die von Charakteren ausgerüstet werden, um in den Besitz unglaublicher psychischer Kräfte zu kommen. Diese irrwitzigen Accessoires sind das Herzstück des unglaublich stilvollen Kampfsystems von NEO: The World Ends with You - sie erlauben vier Helden, gleichzeitig über das Schlachtfeld zu tänzeln und die Gegner zu attackieren.

Ob ihr nun übernatürliche Laser abfeuert oder Felsbrocken in der Luft beschwört - die Kämpfe sind rasant, aufregend und total befriedigend. Und das alles dank der talentierten Entwickler von Square Enix und h.a.n.d. Inc.

NEO: The World Ends with You Trailer

Nachdem das Spiel vor Kurzem über den Epic Game Store für PC erschienen ist, dachten wir, dass es doch interessant wäre, mit Director Hiroyuki Ito über die Geschichte hinter der Entstehung dieses einmaligen Kampfsystems zu sprechen - und über die Herausforderungen, die das Team dabei überwinden musste.

NEO: The World Ends with You Pins Anzeige

Die Macht der Pins

Die Schöpfer von NEO: The World Ends with You wussten schon immer, dass Pins - und die zugehörigen psychischen Kräfte - eine unglaublich wichtige Rolle im Kampf spielen würden.

"Pins sind ikonisch für The World Ends with You, weshalb sich unsere Ideen bezüglich des Kampfes von Beginn der Entwicklung an um sie drehten", erläutert Hiroyuki Ito.

"Allerdings war das nicht der einzige Grund, warum wir sie verwenden wollten - wir wollten auch ein Spiel erschaffen, in dem die Spieler*innen jede Menge unterschiedlicher Fähigkeiten sammeln können. Pins fühlten sich wie etwas an, das diese Mechanik ganz natürlich unterstützt, denn wir dachten, dass hier der Sammeltrieb angesprochen wird."

NEO: The World Ends with You Kampf

Während sich durch Pins und Psychs eine Verbindung zum früheren Spiel herstellen ließ, musste sich das Team die Frage stellen, wie man sie effektiv als Kampfsystem implementieren könnte. Schließlich war der Kampf im originalen The World Ends with You für Touchscreens designt worden, und er nutzte Bildschirmeingaben wie Tippen oder Wischen, um Aktionen auszulösen.

Das Team wusste, dass das neue Spiel auf Plattformen erscheinen würde, die Button-Steuerung verwendeten, weshalb man sich etwas anderes überlegen musste. Gleichzeitig sollte aber die einzigartige The World Ends with You-Atmosphäre eingefangen werden.

"Da der vorherige Titel ein Touch-System verwendet hatte, besaß er ein einzigartiges Gameplay, das sich anders anfühlte als bei allen anderen Spielen", sagt Ito. "Bei diesem Titel bestand die Herausforderung darin, dass wir ein ähnlich einzigartiges Gameplay-Gefühl mit einem Standard-Controller erschaffen mussten."

NEO: The World Ends with You Kampfsystem

Kämpfen als ob man eine Party feiert

Zur Inspiration blickte das Team auf das frühere Spiel und darauf, und wie dort die Kämpfe von mehr als einem Charakter auf einmal kontrolliert werden konnten.

"In The World Ends with You war es für die Spieler*innen nicht notwendig, bei der Steuerung zwischen Neku und seinem Partner zu wechseln - durch die direkten Eingaben konnte man die Gegner unverzüglich angreifen", erläutert Ito.

"Bei NEO: The World Ends with You erweiterten wir dieses Konzept. Das Vorhandensein mehrerer Controller-Buttons machte es möglich, dass mehrere Charaktere gleichzeitig angreifen - und das sogar auf noch einfachere Weise als im ersten Spiel."

NEO: The World Ends with You Kampf

Das Konzept war zwar aufregend, aber das Team musste es immer noch auf eine Art implementieren, die dem Spiel dieses einzigartige The World Ends with You-Feeling verschafft. Das war keine einfache Aufgabe - tatsächlich handelte es sich hier laut Ito sogar um eine der größten Herausforderungen, denen man sich stellen musste.

"Bei den Kämpfen in The World Ends with You finden wir es unerlässlich, eine Kombination aus sogenannten 'irregulären' Kontrollmöglichkeiten und fesselndem Gameplay zu haben, die bei den Spieler*innen den Wunsch weckt, Schlachten immer und immer wieder zu schlagen", sagt er.

"Zunächst dachten wir, dass das mit einem Standard-Controller und ohne Touch-Steuerung schwer umzusetzen sei. Aber irgendwann während der Entwicklung realisierten wir, dass wir aufs Ganze gehen und mehr Buttons als in anderen Spielen nutzen sollten."

NEO: The World Ends with You Kampf

Die Sache einfach halten

Das war der Durchbruch, den sie brauchten. Weit entfernt von einer konventionellen Steuerung gab diese Methode den Spieler*innen die Möglichkeit, die Fähigkeiten mehrerer Figuren nahtlos einzusetzen, was dem Kampf ein spürbares Tempo und einen Flow verlieh.

Das Team versuchte auch, die Steuerung nicht zu kompliziert oder verwirrend zu machen. Trotz der großen Zahl an Eingabemöglichkeiten und den unglaublich stylishen Grafikeffekten, die über den Bildschirm huschen, lassen sich die Kämpfe von den Spieler*innen lesen - und das ist etwas, an dessen Umsetzung das Team wirklich hart gearbeitet hat.

"Nach jeder Menge Experimente haben wir die Notwendigkeit beseitigt, die Kamera während des Kampfs sowie die Spielerbewegungen während des Angriffs zu kontrollieren", sagt Ito. "Dadurch konnten wir das Tempo des Spiels erhöhen. Mehr noch, dadurch konnten Spieler*innen selbst bei wuchtigen Bildschirmeffekten immer noch die allgemeine Situation in jedem Kampf begreifen."

NEO: The World Ends with You Kampf

Die Psychs!

Nachdem die Grundlagen des Kampfes feststanden, musste das Team auch die vielen verschiedenen Fähigkeiten entwickeln, die die Charaktere im Kampf haben würden. Diese Kampfaktionen, im Spiel heißen sie 'Psychs', werden durch die Ausrüstung der Charaktere mit Pins verfügbar und erlauben das Entfesseln aller Arten von Effekten - von einfachen psychischen Hieben bis zu Funken sprühenden Eisspeeren.

"Bei den Psychs gab es bestehende Angriffe aus dem vorangegangenen Spiel, die wir neu in 3D erschufen, sowie neue, die für diesen Titel von Grund auf entwickelt wurden", erläutert Ito. "Bei beiden konzentrierten wir uns darauf, die Eingabemethode passend zum Angriff zu machen, um ein gutes Gefühl bei den Spieler*innen hervorzurufen.

Da gibt es zum Beispiel die 'Dynamite Darts', die einem Gegner jede Menge Nadeln entgegenschicken, wenn man wiederholt den entsprechenden Knopf drückt. Oder 'Massive Hit', der einen Gegner wegsprengt, wenn der zugehörige Button erst gedrückt und dann losgelassen wird. Oder 'Laser Inferno', wo ein dicker Laserstrahl verschossen wird, während man den dazugehörenden Knopf hält."

NEO: The World Ends with You

WMit so vielen Pins und Angriffen, die den Spielerinnen zur Verfügung stehen, war es von zentraler Wichtigkeit für das Team, dass alle Fähigkeiten Sinn machen. Wenn beispielsweise eine Attacke anderen Angriffen erheblich überlegen wäre, dann würden sich die Spielerinnen womöglich zu sehr auf diese verlassen und sich nicht mit den anderen möglichen Optionen beschäftigen.

"Bei so einer Fülle von Pins die Balance zu wahren, war eine sehr schwierige Herausforderung, aber wir empfanden das als eine extrem wichtige Aufgabe", sagt Ito.

"Wir kümmerten uns sorgfältig um jeden Pin, testeten und verfeinerten ihn auf Basis der Auswertung von Aspekten wie 'Angriffsaktivierungshäufigkeit', 'Abklingzeit', 'Angriffskraft' oder der 'Einfachheit des Groove-Aufbaus'. Zusätzlich entwickelten wir ein eigenes Tool, das uns erlaubte, aus der Ferne die Kampflogs der Tester auszuwerten, und wir bezogen uns für unsere Anpassungen darauf."

Rindo from NEO: The World Ends with You

Es wurde auch was weggelassen

Das finale Spiel umfasst insgesamt 333 Pins. Warum so viele? Dazu Ito:

"Unser Ziel war es, mehr Pins als im ersten Spiel zu haben. Im originalen The World Ends with You hatten wir 304 verschiedene. Das war keine wirklich runde Zahl. Für diesen Titel wollten wir die mysteriöse Zahl von 333 erreichen - einfach, um ein bisschen spielerisch an die Sache heranzugehen. Wir mussten zwar auch Material und Geld-Pins mitzählen, letztlich bin ich aber wirklich glücklich, dass wir unser Ziel erreicht haben."

Trotz dieser großen Zahl an Pins schaffte es nicht jeder Einfall ins Spiel. Ito erinnert sich besonders an ein Konzept, das nicht richtig funktionierte.

"Wir überlegten uns, Pins zu implementieren, die den Spielerinnen erlauben, Objekte in der Stadt psychisch aus ihren Verankerungen zu lösen und herumzuwerfen - Schilder zum Beispiel, oder Strommasten. Nachdem der Kampf aber so rasant wurde, realisierten wir, dass die Spielerinnen gar nicht dazu kommen, sich auf die Szenerie zu konzentrieren. Deshalb mussten wir diese Idee leider zu den Akten legen."

NEO: The World Ends with You - Kampfszene

Abschließende Gedanken

Nachdem das Spiel erfolgreich veröffentlicht wurde, ist Ito stolz auf das, was er und das Team bei h.a.n.d. erreicht haben. Das Kampfsystem ist wild, flüssig und macht unglaublich viel Spaß - und die Resonanz von Spielerinnen und Kritikerinnen war gleichermaßen positiv.

Aber Ito ist der Meinung, dass sich dieser Titel besonders durch seine Einzigartigkeit hervortut. "Ich glaube, es gibt kein anderes Spiel, in dem die Spieler*innen simultan ein ganzes Team von unglaublich ansprechenden Charakteren steuern können", sagt Ito, "und das in diesem Tempo."


Falls ihr erst noch erleben müsst, was er hier meint - NEO: The World Ends with You ist jetzt über den Epic Game Store für PC erhältlich, und auch für PS4 und Switch.

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