Marvel's Avengers: Hinter den Kulissen - Usman Ally/MODOK

Er spielt den "Mechanized Organism Designed Only for Killing": Wir sprechen mit dem Schauspieler, der den gefährlichsten Schurken in Marvel's Avengers zum Leben erweckt hat.
Von Duncan Heaney

In Marvel's Avengers kämpfen die mächtigsten Helden der Erde gegen die böse Organisation AIM. Deren Kopf ist der finstere MODOK. Und das mit dem Kopf meinen wir wörtlich…

Einst war er ein sanftmütiger Wissenschaftler namens George Tarleton, doch jetzt hat sich MODOK der "Rettung" der Welt vor den Inhumans verschrieben - Menschen mit Superkräften, die ein Produkt der A-Day-Tragödie in San Francisco sind. Und er ist bereit, alles Erdenkliche für sein Vorhaben zu tun.

Der Charakter wird von Schauspieler Usman Ally zu Leben erweckt, der dem Schurken seine Stimme leiht und - via Motion-Capturing - auch seine Bewegungen verpasst. Wir haben mit ihm über die Rolle gesprochen, über seine Erfahrungen mit dem Spiel und warum niemand durch und durch böse ist.

Hallo Usman. Lass uns mit einer Frage über die Figur anfangen, die du spielst…


Nun, eigentlich ist es ja schon eine komplizierte Frage, wen ich spiele. Es kommt nämlich darauf an, ob du über George Tarleton oder MODOK sprichst.

Okay, dann fangen wir mit George an. Wer ist George Tarleton für dich?


George ist jemand, der an die Wissenschaft glaubt. Er sieht sie als einen Weg in die Zukunft - einen Weg zu einer besseren Menschheit. Und später glaubt er wirklich, dass Wissenschaft die Möglichkeit ist, die Welt vor der Unmenschlichkeit zu retten.

Ich glaube, dass er in dieser Hinsicht wirklich ein guter Mensch ist, aber manchmal kann der Wunsch eines Menschen, etwas richtig zu machen, von seinem Ego durchkreuzt werden, und im Falle von George bedeutet das, dass er nicht fähig ist, seine Ego für seine wahren Ziele beiseite zu nehmen.

So wie die meisten Menschen hat er seine Schattenseiten, aber eigentlich glaubt er, dass das, was er tut und was er in dieser Welt erreichen will, richtig ist - und die Menschheit besser macht.

Und was ist mit MODOK?


Wenn die Glaubenssätze von jemandem zum Lautesten werden, was er hört… dann haben wir MODOK. Er ist letztlich die überspitzte Version von George. Er ist derart entschlossen, das zu tun, was er für richtig hält, dass er nicht zulässt, dass ihm dabei etwas in den Weg kommt.

Ich glaube, dass man so etwas häufig bei schurkischen Charakteren findet. Sie glauben derart unumstößlich an etwas, dass sie nicht verstehen können, warum jemand anderes die Dinge nicht so sieht.

Wie vertraut warst du mit der Figur, bevor du diese Rolle angenommen hast?


Ich kannte MODOK kein bisschen. Ich wusste, dass es irgendwo diesen Charakter gibt, der wie ein riesiges Gehirn aussieht, aber ich wusste nicht, wie er heißt. Ich bin mir sicher, dass es Figuren in anderen Cartoons und so gibt, die MODOK ähnlich sind. Mehr als dieses Bild von dem Charakter war mir nicht geläufig.

Musstest du also Recherche betreiben, bevor du mit den Aufnahmen angefangen hast?


Ja, Marvel hat uns tollerweise auf alle Comics Zugriff gewährt, besonders auf die Entstehungsgeschichten. Ich habe auch wirklich damit angefangen, einige der Comics aus der Zeit zu lesen, als MODOK zum ersten Mal auftauchte. Und das half mir zu verstehen, wer dieser Charakter ist.

Die Entstehung von MODOK zu erleben, und wie er sich über die Jahre hinweg entwickelt, war wirklich interessant.

Ich habe mir auch angehört, wie verschiedene Synchronsprecher an den Charakter herangegangen sind. Das war für gewöhnlich sehr anders als das, was (Creative Director) Shaun Escayg und ich besprachen, und wie ich letztlich den Charakter interpretierte.

Es war einfach faszinierend, die Entwicklung von MODOK zu sehen - wie er entsteht, sich verändert, eine Weile verschwindet und dann wiederkehrt. Ja. Das war großartig.

George durchlebt im Spielverlauf eine ziemlich dramatische Verwandlung. Wie spiegelt sich das in deiner Darstellung wieder?


Es gibt da natürlich eine ganz deutliche physische Veränderung, die sich mit Georges Verwandlung zu MODOK vollzieht. Zu Beginn steht er auf seinen Beinen. Er geht herum, interagiert mit den Leuten um sich herum. Dann nach dem Unfall ist er für alle Zeiten an seinen Stuhl gefesselt.

Mit deiner Darstellung passiert viel, wenn plötzlich von dir verlangt wird, die ganze Zeit zu sitzen. Du musst diese Art von Verbundenheit mit den anderen Charakteren finden, mit der Geschichte, mit den Wünschen und Nöten des Charakters - es verändert alles, vor allem, wenn du als Schauspieler darauf achtest.

War es schwer, diese Verbindung zu finden?


Ja, aber mir hat es geholfen, eine visuelle Idee davon zu haben, wer ich als Charakter bin. Das Motion-Capturing für eine Rolle wie diese läuft ja so, dass wir uns einfach nur in einem großen Raum befinden und uns alles vorstellen.

Wir tragen diese engen Anzüge, die nicht gerade schmeichelhaft sind - an mir sowieso nicht. Es ist also hilfreich, eine visuelle Idee davon zu haben, wie der Charakter letztlich aussehen wird.

Shaun war immer gut darin, solche visuellen Vorstellungen mit uns zu teilen. Solche Vorstellungen zu haben und zu verstehen, dass diese Person körperlich gebrechlicher wird, aber geistig stärker, bedeutete, dass seine Entwicklung einen zwar herausfordern würde, aber dass sie einfach passieren musste.

Mit am faszinierendsten an MODOK im Spiel ist, dass er sich, auch wenn er immer abgedrehter wird, dennoch als echter Mensch anfühlt…


Ich habe eine Menge Schurken in meiner Karriere gespielt. Ob im Fernsehen, Film oder in Videospielen… An einen Schurken kann ich niemals mit dem Gedanken herangehen, dass er einfach nur ein übler Kerl ist. Als Schauspieler denke ich, dass man das falsch angeht, wenn man auf diese Weise in einer Rolle schlüpft.

Ich muss die Logik dieses Charakters verstehen. Und ich muss sicherstellen, dass mir seine Logik und seine Wahrheit klar sind.

Und dann ist es mein Job, mein Publikum dazu zu bringen, sich maximal in ihn einzufühlen oder mit ihm zu sympathisieren. Wenn ihnen das nicht gelingt, dann sollen sie wenigstens sagen können: "Ich stimme mit diesem Typen zwar nicht überein, aber ich erkenne, wo sein Verhalten herkommt."

Was war also bei MODOK der Schlüssel dazu?


Vieles davon kam vom Zurückgreifen auf die Hintergrundgeschichte, die für George entwickelt wurde. Selbst im Trailer, da sieht man, wie er darüber redet, als Kind ein Lebewesen gefunden zu haben, und welchen Effekt das auf ihn hatte. Und dann zu sehen, wie sein Vater mit diesem Wesen umgeht…

Es geht darum, zu erkennen, wie diese Momente echter menschlicher Erfahrung, die er gemacht hat, seine Perspektive in der Gegenwart einfärben und wie sie sich auf die Zukunft der Geschichte auswirken.

Damit im Hinterkopf gehe ich jede Figur an, und wenn man darüber nachdenkt, dann ist der Kerl nicht böse. Er ist kein Schurke. Er hat eine klare Perspektive, warum die Dinge so sein sollten, wie sie sind. Und es ist meine Aufgabe, dass du das verstehst.

Gibt es eine Szene oder einen Moment, der für dich besonders hervorsticht?


Da gibt es einige. (Denkt nach) Was mir gerade in den Sinn kommt, während wir hier sprechen, ist eine Szene zwischen MODOK und Monica Rappaccini, in der er entdeckt, dass sie vielleicht nicht vollkommen ehrlich zu ihm war.

Das ist eine ziemlich emotionale, herzzerreißende Szene für George und wirklich ein Schlüsselmoment. Solch eine bedeutende, gut geschriebene Szene zu haben, war großartig, und ich weiß, dass wir beide - Jolene (Anderson) und ich - sie wirklich genossen.

Was war am denkwürdigsten daran, MODOK zu spielen?


Mit Marvel zusammenzuarbeiten, war großartig - es ist eine wirklich tolle Welt, in der man da spielen kann. MODOK selbst ist ein faszinierender Charakter. Er macht eine aufregende Entwicklung durch, und du erlebst sie physisch und emotional genau vor deinen Augen. Sich damit als Darsteller auseinanderzusetzen, ist eine wunderbare Sache.

Ich möchte nicht versäumen zu erwähnen, dass es für mich sehr wichtig ist, die Chance zu bekommen, einen Charakter wie diesen zu spielen. Vor zehn oder sogar weniger Jahren hätten Leute, die aussehen wie ich, nicht die Möglichkeit bekommen, solche Rollen zu spielen.

Ich denke, es ist wichtig, dass Marvel sehr inklusiv vorgegangen ist. Ich habe beispielsweise bislang nur selten mit farbigen Regisseuren zusammengearbeitet, und jetzt wo ich zweimal mit Shaun gearbeitet habe, denke ich, dass er außergewöhnliches Talent hat. Und nochmal: Es ist wichtig, dass einem diese Chancen gegeben werden.

Es ist auch wichtig, dass wir hier ein Spiel haben mit einer farbigen Superheldin, die Muslimin ist und aus Südostasien stammt. Und für mich als muslimischen Südostasiaten, der aufgewachsen ist, ohne jemals auf diese Art repräsentiert zu werden, hat das große Bedeutung. Das finde ich wirklich großartig.


Ihr könnt Usman Allys fesselnde Darstellung von MODOK in Marvel's Avengers erleben, und zwar auf PS4, Xbox One, Stadia und Steam.

Ein großer Dank an Usman, dass er sich die Zeit genommen hat, mit uns über den Charakter zu sprechen. Um mitzubekommen, welche Rollen er gerade spielt und welche Projekte er am Laufen hat, könnt ihr ihm auf Social Media folgen:

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