Marvel's Avengers: Hinter den Kulissen - Nolan North/Iron Man

Schauspieler, Mo-Cap-Meister und seit Kurzem auch Milliardär, Genie, Erfinder und Philanthrop - wir sprechen mit Nolan North über Tony Stark und das Spannende daran, den eisernen Avenger zu spielen.
Von Duncan Heaney

Beim Casting von Iron Man für Marvel's Avengers wollte das Team von Crystal Dynamics jemanden haben, der den schrägen Witz und die Intelligenz des Charakters perfekt rüberbringen kann. Und wer würde sich da besser eignen als Nolan North?

Der Schauspieler verkörpert Tony Stark im Spiel, und zwar wortwörtlich: Ein umfassendes Motion-Capturing bedeutet, dass das, was ihr auf dem Bildschirm seht, im Endeffekt Nolan ist. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er der Figur seinen eigenen Stempel aufdrückt, welchen Spaß es macht, mit Freunden zu spielen und was das Älterwerden für Schattenseiten mit sich bringt.

Was kam dir als Erstes in den Sinn, als du gefragt wurdest, ob du Iron Man spielen willst?


Einzig und allein: Ja!

Ich meine, wenn jemand dich frägt: Willst du mittels Motion-Capturing Tony Stark in einem Spiel verkörpern, und ein Haufen Freunde ist schon mit am Start? Dann sagst du natürlich, aber klar doch!

Da gab es kein "Ich spreche das mal mit meiner Frau durch", kein "Ich muss erst mal auf meinen Terminkalender gucken". Ich werde Iron Man spielen, ich will Iron Man spielen. Und das war's - ich habe sofort ja gesagt.

Musstest du für die Rolle noch recherchieren oder hattest du deiner Meinung nach sowieso schon ein Gespür für den Charakter?


Ich war schon immer ein Fan des MCU, besonders der Iron-Man-Filme. Mir die zu eigen zu machen, war das Größte für mich. Es gab bestimmte Phrasen und kleine Dinge, die ich tat, die als Hommage an Robert Downey Jr. gedacht waren. Aber einfach nur eine bestehende Darstellung nachzuahmen, hätte dem Charakter einen Bärendienst erwiesen. Ich konnte das nicht so machen.

Also musste ich mich selbst in diesen Anzug stecken. Das Ganze war wirklich gut geschrieben, also versuchte ich, alles sehr einfach zu halten und einfach mein Ding durchzuziehen. Diesem Charakter meinen Dreh zu geben und ihn in dieser neuen Form leben zu lassen.

Du warst also überhaupt nicht versucht, dich der Filme zu bedienen?


Nein. Wenn wir nämlich irgendwas tun würden, das zu einem Vergleich mit diesen allseits geliebten Filmen veranlasst, dann wäre das Ergebnis automatisch schlecht gewesen.

Ich bin nicht Robert Downey Jr. - die einzige Möglichkeit, total zu versagen, wäre also gewesen, wie er zu sein. Und das wollte ich nicht. Ich bin ein großer Fan von ihm und von dem, was er geschaffen hat, aber das ist eine andere Baustelle. Ich fühlte mich einfach nur geehrt, die Möglichkeit zu haben, in ähnliche Fußstapfen zu treten.

Ich sage das von jedem Charakter, den ich spiele, aber es ist wirklich so: Okay, Nolan North steckt jetzt im Iron Man-Anzug und trägt jetzt eben den Namen Tony Stark. Ich versetze mich ganz einfach da rein - justiere vielleicht hier und dort ein bisschen - und spiele ganz einfach den Charakter so gut, wie ich kann.

Als Schauspieler wollen wir unseren Teil beitragen und lassen die Leute, die das Spiel entwickeln, ihren Teil machen. Denn letztlich ist das keine passive Erfahrung wie das Ansehen eines Films - wenn du am Controller bist, dann bist du Iron Man, du bist Black Widow oder Captain America. Das ist alles, worum es geht: Meinen Teil beizutragen, damit diese Erfahrung für den Spieler Sinn macht.

Also war es herausfordernd, einen Charakter zu verkörpern, der so bekannt ist?


Wie ich sagte - die größte Herausforderung war, dafür zu sorgen, die Rolle von den bestehenden Vorstellungen abzuheben, die die Leute von Iron Man haben.

Zum Glück wurde diese Herausforderung durch die Tatsache abgemildert, dass wir mit einem ganzen Ensemble drehten. Wenn das ein Iron-Man-Spiel mit mir in der Hauptrolle gewesen wäre, wäre da erheblich mehr Druck gewesen.

Allerdings pflanze ich das gerne in die Köpfe von Marvel und Crystal Dynamics - wenn ihr hier irgendwann mal ein paar Solo-Titel nachfolgen lassen wollt, dann bin ich dafür offen (lacht).

Aber im Ernst: Das Fazit lautet, dass ich einfach nur will, dass die Leute mit dem Spaß haben, was hier entstanden ist, damit wir das vielleicht eines Tages nochmal machen dürfen.

Vorsicht, Eigenwerbung: Dieses Spiel wird für eine ganze Weile relevant sein, die Geschichte ist also noch nicht vorbei.


Das hoffe ich. Ich meine, die Leute könnten sich auch einfach abwenden und sagen: Dieser Typ nervt (lacht)!

Wir glauben kaum, dass das der Fall sein dürfte. Die Rolle scheint dir zu liegen.


Ja, das tut sie wohl. Das hat mir auch Shaun Escayg, der Creative Director gesagt: "Du bist Tony Stark - nur ohne all das Geld."

Er meinte, ich sollte mir einfach den Esprit, Sarkasmus und Humor von Tony zu Nutze machen - und das Drama kommt dann von selbst. Solange ich die Sorte von Mensch sein konnte, der zu clever für sein Umfeld ist, würde für mich alles in Ordnung gehen, egal, was für eine Gefahr da wäre.

In Kombination mit dem Schauspiel an einem sicheren Ort mit so vielen Menschen, die ich kenne, hatte ich das Gefühl: Ja, diese Rolle passt wie angegossen.

Was war das Beste am Spielen der Rolle in Marvel's Avengers?


Oh, wisst ihr, ich stecke schon soooo lange in dem Motion-Capturing-Anzug. Ich war tatsächlich einer der ersten, die Motion-Capturing richtig akzeptierten. Ich mochte es einfach. Mein Hintergrund war immer das Theater und Sachen vor der Kamera, und dann ging alles eben in diese Richtung. Dann kam Uncharted, und jetzt ist es schon ein Jahrzehnt in allen möglichen Arten von Motion-Capturing-Anzügen.

Das Lustigste an dem Ganzen ist, dass ich, immer wenn ich als Iron Man eine Szene durch Wegfliegen verlasse, mich umdrehen und in dieser klassischen Pose verharren muss. Und dann muss ich da auf diese Weise stehen, bis alle anderen ihre Szene beenden.

Die einzige Rettung war immer, dass Travis Willingham (Thor) normalerweise mit mir abhob, und er würde eigentlich seinen Hammer schwingen, wie man sich das von Thor vorstellt, aber jetzt steht er starr da wie die Freiheitsstatue und wir starren uns beide an und lachen.

Am coolsten ist allerdings, diese Superheldenlandung auf den Knien zu machen. Die Dreipunktlandung - du fühlst dich buchstäblich wie ein kleines Kind im Hinterhof. Du schaust raus und da spielen Kinder, und eines davon hat vielleicht einen Captain-America-Schild. Mehr machen auch wir nicht - wir sind Erwachsene, die Kinder spielen.

Es ist die wahrhaftigste Art der Schauspielerei, und das hier war das perfekte Projekt, um einfach nur zu spielen. Und das sollten wir ja auch tun.

Offensichtlich kennst du den Rest der Truppe ziemlich gut - Troy Baker (Bruce Banner), Travis Willingham oder Laura Bailey (Black Widow). Wie war es, mit so vielen Freunden aus dem echten Leben zu spielen?


Das ist tatsächlich mein Lieblingsaspekt an dem Ganzen. Ich liebe es, als Teil eines Ensembles zu arbeiten, weil es genau darum geht.

Ich mache diesen Job lang genug, um zu wissen, dass so viele Rädchen im Getriebe nötig sind, und jeder Einzelne macht seine Arbeit richtig gut, damit diese gemeinsame Anstrengung zu einer großartigen Erfahrung für die Leute wird. Das ist die eigentliche Quintessenz von dem, was wir tun.

Spannend an diesem Spiel war die Einfachheit, mit den anderen Schauspielern eine Verbindung herzustellen. Ich sehe Troy Baker an, und das ist Bruce Banner. Ich drehe mich zu Jeff Schine und das ist einfach Captain America.

Wenn jemand "Cut" ruft, dann ist es wieder Jeff. Man geht den Text durch oder lacht über etwas, aber wenn man sich wieder dem Dreh zuwendet, dann sind alle einfach wieder diese Charaktere.

Einige aus der Truppe sind rechte Neulinge. Wie war die Arbeit mit Sandra Saad & Co.?


Ich meine, Sandra ist Kamala. Sie brachte diesen Enthusiasmus und diese Aufregung mit: "Oh, mein Gott, ich kann nicht glauben, dass ich mit euch Leuten zusammenarbeite!" Und genauso ist Kamala, und deshalb war das perfekt. Sie war so organisch und natürlich.

Und sie ist wirklich eine Süße. Man sieht Interviews mit ihr und sie lächelt ständig und kichert - so ist sie einfach!

Das war also toll. Und ich erinnere mich, als ich das erste Mal in einer Animations-Session mit Frank Welker saß, einer echten Animationslegende. Rob Paulson und Maurice LaMarche saßen neben mir - Pinky und der Brain! Und da war ich ein Neuling wie Sandra.

Oder als ich mal mit Harry Dean Stanton für HBOs Big Love zusammengearbeitet hatte, da war ich nur so: "Oh mein Gott, das ist Harry Dean Stanton!" und wir aßen zusammen Mittag. Und er erzählt mir von Repo Man. Und ich denke mir nur: Wie bin ich hierhergekommen?

In der einen oder anderen Weise befanden wir uns also alle schon mal in Sandras Lage.

Was befriedigt einen an dieser Art der Bewunderung?


Es ist lustig, dass ich mit zunehmenden Alter Leute treffe, die sagen "Oh Mann, es ist so toll mit dir zu arbeiten, ich habe deine Spiele gespielt." Und ich dann nur so: "Wie alt bist du denn?!"

Aber ja, es ist toll mit jemandem zu arbeiten, der neu dabei ist. Besonders wenn jemand so ist wie Sandra, weil sie Fragen stellt. Sie sitzt nicht da mit der Einstellung "ich weiß, was ich tue" - sie ist immer offen für Anleitung. Nicht von mir oder den anderen Schauspielern - sowas tut man nicht -, aber sie bittet um Rat, lässt sich Hinweise von Shaun geben oder von wem auch immer, der ihr Führung geben kann.

Im Endeffekt war sie genau das, was man von so jemandem erwarten würde, und sie ist perfekt für diese Rolle. Ihr Enthusiasmus sickert in ihre Darstellung ein und macht sie total begreiflich. Man fiebert so sehr mit Kamala mit, weil sie so viel von Sandras eigener Persönlichkeit hat.

Ich glaube, sie hat noch Großes vor sich.

Wo du jetzt das Spiel gesehen und gespielt hast - was denkst du darüber?


Wirklich großartig! Ich finde, es hat wirklich für jedermann was auf Lager. Wenn du beispielsweise nicht als Iron Man spielen willst, dafür aber Thor liebst, weil dieser Hammer so krass ist - dann mach doch einfach.

Aber wenn du dann die Charaktere erkundest, beginnst du, mehr und mehr Schichten freizulegen - hier gibt es ein beeindruckendes Potenzial an Wiederspielbarkeit. Und ich glaube, das macht ein gutes Spiel aus.


Wir danken Nolan für die Zeit, die er dem Gespräch mit uns gewidmet hat. Marvel’s Avengers ist jetzt für PS4, Xbox One, Steam und Stadia erhältlich.

Wenn ihr bei den vielen Projekten von Nolan North stets auf dem neuesten Stand sein wollt, dann folgt ihm doch einfach auf Social Media:

Und auch bei Marvel’s Avengers lohnt es sich, Twitter, Facebook oder Instagram im Auge zu behalten, um keine Neuigkeiten rund um das Spiel zu verpassen:

Teilen