Marvel's Avengers: Hinter den Kulissen - Laura Bailey/Black Widow

Die Darstellerin der Black Widow spricht über das Mysterium ihrer Figur, den Einfluss ihrer frischgebackenen Mutterschaft und den Horror verschwitzter Motion-Capturing-Anzüge.
Von Square Enix Team
Schlagwörter: Marvel’s Avengers

Für Laura Bailey ist Black Widow keine Fremde. Die Schauspielerin stellt Natasha Romanoff seit Jahren in Spielen und Comicserien dar, und für manche ist ihre Stimme die der Heldin.

Aber als Bailey durch Marvel's Avengers mit neuen und aufregenden Herausforderungen konfrontiert wurde, musste sie Natasha Romanoff nicht nur zum ersten Mal physisch verkörpern, sondern auch ganz neue Facetten des Charakters erkunden.

Nun, da das Spiel erschienen ist, haben wir mit der Schauspielerin über ihre lange Historie als Black Widow gesprochen, und darüber, wie sie ihr Leben in neue Bahnen gelenkt hat.

Hallo Laura, fangen wir mit einer einfachen Frage an. Sag uns in einem Satz, wer Black Widow für dich ist.


In nur einem Satz?! Du sagtest doch, das wäre eine leichte Frage!

Okay, dann zwei.

Danke (lacht).

Black Widow ist… ein Mysterium.

Ich liebe es, dass man nicht weiß, wen man bei ihr vor sich hat. Sie ist cleverer als jeder im Raum und sie lässt einen das nicht wissen.

Dir ist die Figur natürlich nicht unbekannt. Du hast sie im Fernsehen gespielt, in anderen Videospielen. Warum kehrst du immer wieder zu Natasha Romanoff zurück?


Seien wir mal ehrlich: Wer wäre nicht gern ein Superheld?

Das erste Mal, als ich für ihre Rolle ausgesucht wurde, war ich überglücklich. Sie ist eine so starke Macht, dass sie sich buchstäblich unter Göttern behaupten kann. Sie kann direkt neben ihnen auf ihrer Augenhöhe stehen und ihre Gegner vernichten. Und sowas zu porträtieren, fühlt sich wirklich großartig an.

Und sich dann in Marvel's Avengers in den Anzug schmeißen zu können und diese Figur physisch zu verkörpern… Das fühlte sich wirklich großartig an. Und anders.

Wie anders?


Sie fühlte sich geerdeter an. Ich weiß nicht, ob das daher kam, dass ich diese Rolle zusammen mit anderen Leuten spielte, oder ganz einfach daher, dass das, was sie im Spiel durchmacht, düsterer ist als vieles von dem, was ich bislang mit ihr gespielt habe.

Ihr Mühen wurde heftiger, ihr Kummer, den sie durch den A-Day erlebt, größer. Sie spürte Verantwortlichkeit.

Die verletzliche Seite von ihr hatte ich vorher wirklich noch nie erkundet.

Sie besitzt im Spiel wirklich eine Menge unterschiedlicher Facetten. Wie schwer war es, das im Schauspiel rüberzubringen?


Hmm… Ich glaube, alles dreht sich um Vertrautheit. Sie kann sie selbst sein, wenn sie mit Steve Rogers oder Bruce Banner interagiert. Aber das ist eine andere Person als die, die Schurken wie Monica Rappaccini oder MODOK gegenübersteht - da spielt sie eine Art Rolle.

Was irre an ihrer Story ist: Sie zieht sich zu Beginn des Spiels in diese Rolle zurück. Sie zeigt niemand gegenüber ihr wahres Ich, und keiner, mit dem sie interagiert, weiß wirklich, ob sie auf seiner Seite ist oder nicht. Das ist eine interessante Gratwanderung.

Bei Kamala zeigt sie auch eine andere Seite oder nicht?


Ja, es gibt diese wundervolle Beziehung zwischen ihr und Kamala Khan, wo sie die Rolle der Mentorin übernimmt - fast ein mütterliches Gefühl verspürt, sie beschützen zu müssen.

Ich weiß nicht, ob ich das genauso hinbekommen hätte, wenn ich nicht gerade selbst ein Kind zur Welt gebracht hätte. Das war definitiv ein Faktor beim Herangehen an diesen Aspekt des Spiels.

Das ist das Coole an dem, was wir tun - wir können unsere eigenen Erfahrungen ins Spiel bringen.

Hat sich deine Herangehensweise an die Figur im Lauf der Zeit weiterentwickelt?


Es ist cool, so lange mit einem Charakter zu tun zu haben, denn man wächst mit ihm. Und er wächst mit einem.

Ich fand es beispielsweise faszinierend, wie viel näher ich in diesen Szenen an meinen Gefühlen war, seit ich ein Kind habe. Alles trifft einen jetzt viel härter - total verrückt.

Und das geht nicht nur mir so, auch die Figur verändert sich. Ein Regisseur sagt vielleicht: "Okay, das wird jetzt die Widow von vor zehn Jahren. Kannst du zu der zurückkehren?" Und das ist eine so andere Erfahrung, weil die Figur sich in deinem Kopf so stark verändert hat.

Wie war das, die Figur physisch darstellen zu müssen? Musstest du dafür trainieren?


Glücklicherweise kam ich gerade aus meiner Schwangerschaft und hatte mit dem Training für andere Projekte begonnen, bevor ich überhaupt von diesem hier wusste. Das hat also einfach gepasst.

Aber für mich ist die Motion-Capturing-Bühne sowieso eine Komfortzone. In dieser großen grauen Kiste und Scheinwelt zu sein - das fühlt sich einfach natürlich an. Wenn ich auf die Bühne gehe, ist das, als käme ich nach Hause.

Wenn es um die Aufnahme von Bewegungen geht, kennt man dich als eine der Besten. Aber nicht jeder Schauspieler kommt damit so gut zurecht. Was denkst du, ist der Schlüssel zu dieser Art der Schauspielerei?


Es dreht sich alles nur um die Körperhaltung. Und darum, zu der Vorstellungskraft zurückzukehren, die du als Kind auf dem Spielplatz hattest. Ich meine, jeder von uns ist doch rumgelaufen und hat so getan, als wäre der Boden Lava oder sowas.

Und das ist im Endeffekt alles, was man tut. Du musst dir einfach vorstellen, dass beispielsweise die Schwimmnudel in deiner Hand eine Waffe ist - und davon musst du dich irgendwie selbst überzeugen. Das macht es dann glaubhaft.

Und wenn du im Motion-Capturing-Anzug steckst, dann bewegst du dich ein wenig anders. So behämmert das auch ist, aber wenn du Elastan oder sowas anhast, dann fühlst du dich irgendwie… windschnittig.

Und dann legst du all die Sachen an - du hast deinen Helm auf, einen Computer an deiner Brust festgezurrt, und du fühlst dich, als würdest du taktische Ausrüstung oder sowas tragen. Also fühlst du dich einfach noch krasser.

Komfortabel ist das aber nicht…


Ja, es ist schwer. Und heiß.

Die Rechnereinheiten entwickeln sich weiter. Es ist also nicht mehr so schlimm, wie es mal war. Aber ja, man schwitzt, weil es in dem Raum keine Klimaanlage gibt - er muss schalldicht sein.

Also ja, das kann schon ein langer Tag werden. Wenn du viel rennen musst, dann… ist das schon so eine Sache (lacht).

Ich sag dir eins: Ich war so dankbar, als ich endlich meinen eigenen Anzug bekommen hatte! Sony hat ihn mir für Uncharted gegeben - und niemand anders darf ihn tragen (lacht).

Interessant an der Darstellerriege des Spiels ist, dass sich viele von euch sehr gut kennen. Hat das die Dynamik des Teams befördert?


Nun, mit einem von ihnen verheiratet zu sein (Travis Willingham - Thor), hat geholfen!

Es ist so verrückt - wir alle arbeiten schon so lange zusammen, dass wir uns, als wir gemeinsam die Bühne betraten, gegenseitig als die Avengers betrachteten. Es fühlte sich nicht so an, als ob diese Verbindung erst hätte geschaffen werden müssen.

Oft kommst du ans Set und es braucht ein paar Tage, bis sich jeder kennenlernt, bis sich wirklich eine Verbindung ausbildet. Aber bei uns ging das sofort, weil wir eine gemeinsame Vergangenheit haben. Ich bin mir sicher, dass auch Troy (Baker - Bruce Banner) das gesagt hat, aber es fühlte sich wirklich so an, als wären wir ein Team.

Und dann kam Sandra Saad (Kamala Khan) als neue Macht dazu. Sie verkörperte so viel Enthusiasmus und Freude - sie war so glücklich, mit dabei zu sein und wollte einfach nur gute Arbeit machen. Das fühlte sich so echt an.

Die Energie, mit der sie ankam, sorgte wirklich für ein Gefühl, wie wenn Kamala Khan zu den Avengers stößt.

Also ja, es war irgendwie verrückt, wie natürlich sich alles anfühlte. Ich bin mir sicher, dass Shaun Escayg (Crystal Dynamics - Creative Director) das genau so geplant hatte. Aber es war schon erstaunlich, dass er die Truppe so zusammengebracht hat.

Nachdem Sandra der Neuling war - hast du auch in der Realität die Rolle als Mentorin für sie übernommen?


So viele Ratschläge musste ich ihr nicht geben. Sie ist wirklich gut! Wenn ich mal was gesagt habe, dann ging es um eine Körperhaltung oder wenn sie fragte, "wie macht sich das, wenn ich meine Arme so bewege?"

Vieles davon ging also um kleine subtile Dinge, über die man nicht wirklich nachdenkt.

Solche Dinge machen's aber aus - ich erinnere mich an ein Projekt von Travis, wo er als ein großer Typ gecastet wurde. Und Travis ist im Endeffekt schon Thor - groß und muskulös, oder? Aber dieser eine Charakter war sogar ein noch größerer Typ, und er dachte, er müsste wie ein Superheld daherkommen.

Er machte damals übrigens nicht den Thor, das ist eine Ewigkeit her. Also zog er die Schultern hoch und nahm beim Bewegen eine bestimmte Haltung ein. Aber weil er schon so groß war, musste er gar eigentlich gar nichts davon machen - das Modell erledigt das für dich.

In Wirklichkeit, und das habe ich Sandra gesagt, geht es einfach nur darum, darauf zu vertrauen, was du mit deinem Körper machst. Und dein digitales Ich auf dem Bildschirm anzusehen, dir die Zeit zu nehmen, dich im Bild zu bewegen und herauszufinden, ob die Proportionen mit den deinen funktionieren. Im Lauf der Zeit wird das einfach natürlich.

Musst du dir also Gedanken um all diese Sachen machen, wenn du dich auf so eine Rolle vorbereitest?


Um ehrlich zu sein, nein. Wenn ich mir zuhause das Skript durchlese, dann tu ich das als Black Widow. Ich denke nie darüber nach, wie meine Performance sein wird - in meinem Kopf sehe ich Natasha, wie sie all die Sachen macht, die ich lese. Das kommt also alles so ziemlich von selbst, wenn du dir das mal vergegenwärtigt hast.

Dann, am Beginn jedes Drehtags, setzen wir uns alle gemeinsam an den Tisch und lesen, und schauen einfach, wie es sich anfühlt, wenn man es auf die Bahn bekommt. Dann rein in den Anzug und losgespielt.

Die Black Widow ergibt sich also jetzt ganz alleine für dich?


Ich meine, bald ist ein Jahrzehnt voll. Also ja, sie ist eine Art zweiter Natur. Es fühlt sich an, als wäre sie momentan ein großer Teil meines Lebens.

Und ich bin wirklich glücklich, sie zu sein.


In Marvel's Avengers könnt ihr Laura Bailey in Action erleben - das Spiel ist nämlich für PS4, Xbox One, Steam und Stadia erhältlich.

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